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Sonntag, 23. November 2014

Das undurchsichtige Russland

Verfolgt man aufmerksam die Berichterstattung der westlichen und der russischen Medien, muss man früher oder später zum Ergebnis kommen, das beide Seiten ein gemeinsames Ziel verfolgen. Die Kritik des Westens an Russland ist billig und leicht zu durchschauen. Eigentlich zu billig. Dies führt dazu, dass manche Menschen den russischen Berichten gegenüber unkritischer werden. Was eine große Gefahr in sich birgt. 

Zwei Desinformationsartikel von RTdeutsch über angebliche Ebola-Viren
Wer aufmerksam die Berichterstattung von Russia Today, dem russischen TV-Sender, den es jetzt auch in deutsche Sprache gibt, verfolgt, wird auch gewaltige Lügen entdecken können. Erinnert man sich z.B. an die westliche Medienpropaganda um ein angebliches Ebola-Virus, das sein Unwesen in Afrika treiben soll, könnte man von den russischen Medien sehr wohl erwarten, dass sie das Ebola-Phantom auf breiter Front entlarven, aber nein, Russia Today berichtet lieber von russischen Virologen, die an einem angeblich wirklich effektiven Impfstoff gegen Ebola arbeiten. So deckt Russia Today ganz klar die Ebola-Lüge. Und wenn der Westen und Russland beide so berichten, als ob es das Ebola-Virus wirklich gäbe, dann muss da doch auch was dran sein, oder? In Wahrheit gibt es kein Ebola-Virus und "Ebola-Patienten" sind durch Impfungen vergiftete Menschen. 

Auffällig ist auch, dass wichtige Vertreter des freimaurerischen Establishments sich klar für Putin aussprechen. Ich denke da z.B. an Henry Kissinger, Helmut Schmidt, Gerhard Schröder oder Michail Gorbatschow, welche alle den 33.Grad des Schottischen Ritus inne haben, also Mitglieder von Hochgradlogen sind. Die Zusammenarbeit zwischen Russland und dem Westen findet trotz Sanktionen auch immer noch statt. Projekte der Weltraumfahrt werden nach wie vor zusammen gemacht. Mitglieder von westlichen Elite-Organisationen (Atlantik-Brücke, DGAP, Council on Foreign Relations, Trilaterale Kommission, Bilderberger) sind nach wie vor bestens mit hochrangigen Mitgliedern des russischen Establisments verbunden, z.B. über  Valdai International. 

Wer Putin und die russische Führung die letzten Jahre aufmerksam beobachtet hat, stellt fest, dass die wirklichen Absichten der russischen Führung im Dunkeln bleiben. Was dort im Hintergrund passiert, ist uns unbekannt. Es werden zwar immer wieder Geschichten, besonders Persönliche über Putins Vergangenheit, erzählt aus denen man dann angeblich auf Putins heutige Absichten schließen könnte, aber diese Geschichten vermitteln nur Emotionen, keine Fakten. Da wird doch die Geschichte verbreitet, dass Boris Jelzin die Ausschlachtung seines Landes nicht gut geheißen hätte, aber weil er zu feige war etwas dagegen zu unternehmen, das Ruder an Putin weitergegeben hätte. Angeblich soll Jelzin sogar zu Putin gesagt haben, dass er gut auf Russland aufpassen sollte. Dann kommen aber wieder Berichte über einen angeblichen Putsch des russischen Militärs, das insgeheim Putin an die Macht gebracht hätte. Und es gibt noch viele dieser Geschichten mehr. Ich glaube wir sollen nur verwirrt werden, damit die wahren Hintergründe nicht ans Licht kommen. 

Fast immer wenn sich ein russischer Vertreter über die Weltpolitik äußert, wird geklagt über die Nichteinhaltung der Menschenrechte im Westen, über den Bruch des internationalen Rechts, über den Betrug an den Vereinten Nationen. All das war schon vor Jahrzehnten erklärte Taktik der Sowjetunion. Einer der wichtigsten Ziele der Sowjetpropaganda war die Durchsetzung der UNO als globale weltpolitische Steuereinheit. Von diesem Punkt ist man in Russland keineswegs abgerückt. Auch Vladimir Putin spielt dabei mit. Genauso wie Vertreter der russischen Regierung auch bei der Souveränitätskonferenz, organisiert von Jürgen Elsäßer und dem COMPACT-Magazin, wieder für Menschenrechte und UNO geworben haben. 

Dieses ganze globale Spiel zwischen Russland und dem Westen ist für mich nichts weiter als ein riesiges Theaterstück, erdacht von ausgefuchsten Strategen. Die Sowjetpropaganda hat angefangen in den 60er Jahren die Strategie zu ändern, was allerdings den wenigsten bekannt ist. Z.B. wollte man den Zusammenhalt der sowjetischen Blockstaaten als brüchig darstellen, um im Westen den Anschein eines Zerfalls vorzutäuschen und damit die westlichen Geheimdienste in ihren Anstrengungen lähmen, "weil sich ja alles gut entwickelt". Zu diesem Zweck haben alle sowjetischen Blockparteien in Zusammenarbeit mit allen kommunistischen und sozialistischen Parteien und Bewegungen weltweit, die vom Kreml kontrolliert wurden, beschlossen sich nun einer Langzeitstategie zu unterwerfen. Man sollte durch gezielte Propaganda den Eindruck erwecken, dass das sowjetische Imperium zerfällt und die einzelnen sowjetischen Gruppierungen und Blockstaaten sich immer weiter voneinander entfernen. Letztlich wollte man den Zusammenbruch der Sowjetunion vortäuschen, um die sowjetischen Grenzen für Neuerungen aus dem Westen zu öffnen, die man sich dann aneignen könnte, ohne dass westliche Geheimdienste etwas dagegen unternehmen können oder sich sogar noch darüber freuen, dass westliche Unternehmen Profitmöglichkeiten in Russland bekommen. 

Den Kommunismus als Kampfbegriff wollte man verschwinden lassen und ersetzen durch Kritik am Kapitalismus,  ohne jedoch eine staatsrechtliches Gegenkonzept zu nennen. Hierzu sollte die Sowjetunion sich nach ihrem "Zerfall" "demokratisieren". Der "Zerfall" des Sowjetimperiums und die Unterstützung von pazifistischen Organisationen im Westen sollte zu einer Entmilitarisierung des Westens (vor allem Europas) führen (da denkt man doch an die Bundeswehr). Um den Sturz des Sowjetimperiums glaubhaft zu machen, wurden russische Vertreter angewiesen in privaten Gesprächen mit Vertretern des Westens über die Lage in Russland zu schimpfen und Andeutungen über einen möglichen Zerfall der Sowjetunion zu machen. 

Dieses langangelegte Propaganda-Unternehmen begann nach dem Tod Stalins. Selbst die sog. "Entstalinisierung" war Teil dieses Konzepts. Man wollte durch die Kritik an Stalin den Eindruck erwecken selbstkritisch zu sein und sich in Richtung Liberalismus und Demokratie zu entwickeln. In Wahrheit wollte man aber auch einen Strich zwischen der Zeit Stalins und dem "neuen" Sowjetimperium ziehen, denn die Lage war durch Stalins rigorose Unterdrückung der Russen wirklich soweit gediehen, dass Revolten in Russland nicht mehr auszuschließen waren. Hieraus entwickelte sich auch die Taktik die russische Führung als stark und gesichert darzustellen, wenn in Wahrheit das Land kurz vor dem Zusammenbruch stand. Andererseits wenn man stark und gesichert ist, sollte man das Land als schwach darzustellen. Damals druckte man für die Sowjetunion auch vermehrt das Buch "Die Kunst des Krieges" von Sun Tzu, worin die Täuschung des Gegners als wichtigste Voraussetzung für einen Sieg dargestellt wird. 

Das ganze Propagandakonzept der Sowjetunion, mit vorgetäuschten Zusammenbruch, können sie in dem bereits 1984 (!) erschienenen Buch "New Lies for Old" von Anatoliy Golitsyn nachlesen. In diesem Buch werden die Propagandatechniken der Sowjetunion genau auseinandergenommen und Golitsyn macht dort Vorraussagen über das zukünftige Russland, die einen stark an das heutige Russland erinnern. Das Buch als PDF findet ihr hier (Anklicken zum Herunterladen):




Und wie sieht die Realität heute aus? Ist das ganze russische System immer noch heimlich sozialistisch/kommunistisch und wartet nur auf den Zeitpunkt bis der Westen zersetzt und entmilitarisiert ist, um dann die "bolschewistische Weltrevolution" in die Tat umzusetzen? Entscheiden sie selbst. Ich schließe diese Möglichkeit nicht mehr aus. Gegen wirkliche Freiheitskämpfer halten der Westen und Russland auf jeden Fall immer noch zusammen wie Pech und Schwefel, wie die Propaganda von beiden Seiten unzweifelhaft beweist.

Donnerstag, 20. November 2014

HoGeSa




Hätte ich vor wenigen Wochen den Begriff HoGeSa irgendwo gesehen oder gehört, so hätte ich mir etwas höchst Langweiliges und Staatstragendes  darunter vorgestellt, tatsächlich hat mich der Begriff an DeHoGa, den Arbeitgeberverband des Deutschen Hotel- und Gaststättengewerbes, erinnert.
Das war daneben – und nicht mal knapp vorbei.
HoGeSa heißt “Hooligans gegen Salafisten” und bereits die ganze Woche tobt eine lebhafte öffentliche Debatte darüber, ob die im Rahmen dieser Parole durchgeführte Veranstaltung in Köln am Sonntag, den 25. Oktober 2014 eine friedliche Demonstration besorgter Demokraten oder ein besorgniserregender Aufmarsch gewalttätiger Rechtsradikaler war. Dass es eine friedliche Demonstration besorgter Rechtsradikaler oder eine besorgniserregende Demonstration demokratischer Dummheit (DeDeDu) gewesen sein könnte, wurde freilich nicht in Betracht gezogen. Es gehört zu den unangefochtenen Grundpfeilern der öffentliche Debatte, dass Rechtsradikale  weder besorgt noch friedlich sind, während friedliche Demokraten niemals dumm, sondern immer selberdenkend sind, insbesondere wenn sie regelmäßig die mittels Demokratieabgabe finanzierten Medien konsumieren.
Ich sehe das zwar ein bisschen anders, aber verunsichert durch das komplette Versagen meines akronymischen Sprachgefühls wollte ich dann doch für ich mein denglisches Sprachgefühl eine zweite Meinung einholen, bevor ich das Thema in unsere fast nichtöffentliche Debatte einbringe, denn schließlich heißt die Aktion ja nicht FrieDeGeSa sondern HoGeSa. Mit Ho wie
Hooligan (engl. „Rowdy“, „Rabauke“) wird im deutschen Sprachgebrauch eine Person bezeichnet, die vor allem im Rahmen bestimmter Großereignisse wie beispielsweise Fußballspielen durch aggressives Verhalten auffällt. Der Duden, der den Begriff 1991 aufnahm, definiert Hooligan als „meist im Gruppenverband auftretender Jugendlicher, dessen Verhalten von Randale und gewalttätigen Übergriffen bei öffentlichen Veranstaltungen (z. B. Fußballspielen) gekennzeichnet ist“
Ja, genau! So ähnlich hätte ich das auch definiert. Ein Glück – denglisch kann ich noch!
Bei PI hingegen sieht es etwas anders aus, denn da hat man den friedlichen Hooligan entdeckt:
Wir fragen uns das auch, allerdings nicht wegen zum Großteil, trotz extremer Provokation friedlicher Hooligans und Bürger, die am vergangenen Sonntag Flagge zeigten, für unsere Werte, unser Land und gegen moslemischen Hass und Islamgewalt.
Nun möchte ich nicht den Eindruck erwecken, ich würde glauben, von den Demonstranten sei Gewalt ausgegangen. Das glaube ich nämlich ganz und gar nicht. Denn obwohl die Mainstreammedien das suggerieren, sind Berichte wie Ein “Normalo” auf der HoGeSa-Demo in Kölnschon vom Tonfall her wesentlich glaubwürdiger – ganz davon abgesehen, dass grundsätzlich so ziemlich jeder Mensch glaubwürdiger ist als Mainstreammedien. Es geht mir nur darum, dass man in dem Augenblick, wo man sich befleißigt fühlt, Begriffe wie “weißer Rappe”,“schwarzer Deutscher” oder “friedlicher Hooligan” zu verwenden, ernsthaft darüber nachdenken sollte, ob man noch alle Tassen im Schrank hat. Zumindest aber sollte man davon ausgehen, dass man nicht die Wirklichkeit beschreibt sondern in einem absurden Theater sitzt.
Ich glaube keine Sekunde daran, dass diese Aktion von Hooligans oder auch nur von Fußballfans ausgeht. Das ist unverkennbar eine Facebook-”Revolution” aus dem NWO-Rezeptbuch, die mit großer Wahrscheinlichkeit von den üblich verdächtigen Strippernziehern ausgeht, obwohl mir der Grund dafür noch rätselhaft ist.  Selbstverständlich wurden die Strukturen von Anhängern verschiedener Fußballvereine – und vermutlich auch solcher, die manchmal wirklich wie Hooligans auftreten – benutzt, um schnell eine Ansammlung von nützlichen Idioten auf die Straße zu bringen. Es ist durchaus möglich, wenn auch für die Aktion vermutlich nicht unbedingt erforderlich, dass diese Strukturen längst unterwandert sind.
Ich bin nun kein Hooligan und noch nichtmal ein Fußballfan, aber alle zwei Jahre sehe ich mir die Großereignisse WM und EM an, was weniger an Interesse am eigentlichen Sport liegt sondern alter Gewohnheit aus Zeiten geschuldet ist, in denen noch alles in Ordnung und die BRD das gleiche wie mein Heimatland zu sein schien. Dabei lässt es sich manchmal in der Halbzeitpause nicht vermeiden, dass man Nachrichten sieht. Und so sprang mich vor gut zwei Jahren während der EM ein Schachtelteufel namens “Salafisten” an, den ich zwar von der PI-Lektüre her schon eine kleine Weile kannte, von dem ich aber nicht dachte, dass er kurz davor stand, die hysterisch hyperventilierende BRD zu übernehmen und unter die Scharia zu zwingen. Genau das hätte man aber aus den Halbzeitnachrichten entnehmen können, was mich dazu bewegte, in  Salafismus – wie der böse Islam deutsch wurde zu schreiben:
em_2012In den ersten zwei Minuten fiel das Wort “Salafisten” gefühlte zwanzig Mal. Der arglose Fußballfan, der die Halbzeitpause weder auf der Toilette verbrachte noch damit, für Biernachschub aus dem Keller zu sorgen, wurde von einem dauergrinsenden Blonden folgendermaßen belehrt
  • (…)
  • Salafisten möchten den deutschen Rechsstaat abschaffen.
  • Salafisten möchten einen Gottesstaat errichten.
  • (…)
  • Es gibt 4000 Salafisten in Deutschland, die unter verschärfter Beobachtung stehen.
Erhoffte Reaktion beim Fußallmichel? Ich vermute: “Das ist ja furchtbar! Diese Salafisten sind ja schrecklich böse Menschen. Da muss man doch was dagegen machen!”
Genau zwei Jahre später bei der Fußball-WM hatte ich ein Déjà vu, das ich in einem Kommentar festgehalten habe:
wm_2014Damals [EM 2012] war ich bass erstaunt, von diesen Salafisten und der großen Gefahr zu erfahren, die sie – vollkommen aus dem Nichts aufgetaucht – plötzlich darstellen, und sich anschicken, Deutschland in ein Kalifat zu verwandeln. Ich habe das damals auch in einem Artikel festgehalten , ansonsten hätte ich das natürlich längst vergessen.
Und wie es die Vorsehung will, taucht genau zwei Jahre später in den Halbzeitnachrichen der Fußball-WM ISIS genauso vollkommen aus dem Nichts auf, hält fast den ganzen Irak besetzt – wobei nichtmal PI das vorher gemerkt hat! – und schickt sich jetzt an, die ganze Welt für die Umma zu erobern und in diesen Talkshows rauf und runter diskutiert zu werden.
Es wäre wohl arg verschwörungstheoretisch, anzunehmen, dass es einen Grund dafür gibt, dass solche aufregenden brandneuen islamistischen Schachtelteufel immer während Fußball-Großereignissen aus der Schachtel springen… ???
Mir kamen vor zwei Jahren schon die Salafisten irgendwie surreal vor (und immer noch), aber bei ISIS ist es noch ausgeprägter.

Und genauso surreal kommt mir HoGeSa vor. Ich halte es immer noch für sehr zweifelhaft, dass das plötzliche und überraschende Auftauchen der zwei  islamischen Schachtelteufel  in den Halbzeitnachrichten ein langfristig durchdachter Plan war. Aber dass dieser künstliche Volksaufstand jetzt augerechnet von organisierten Fußballfans getragen wird, die normalerweise nicht gerade durch politisches Interesse auffallen, gibt mir doch ein bisschen zu denken. Ob parallel dazu in den vergangenen Monaten regelmäßig eine zeitliche Nähe von Sendungen über wüste Kopfabhackereien und Bundesligaspielen bestanden hat, weiß ich leider nicht.
Auch das HoGeSa-Phänomen ist schlagartig aus der Schachtel gesprungen, wenn auch für mich überhaupt nicht bedrohlich – vor deutschen Männern habe ich keine Angst, schon gar nicht vor “Nazis” – so war es doch sicher für die vereinte Gutmenscheria mindestens genauso furchterregend wie die Kopfabschneider aus dem Irak. Das Problem ist nur: Es sind wirklich keine “Nazis”, sondern ferngesteuerte Demonstrationsroboter mit und (wohl stark überwiegend) ohne Hooliganhintergrund, und es ist noch nicht einsichtig, wozu ihre Aktivierung dient und was in aller Welt diese Jungs jetzt plötzlich reitet, ausgerechnet gegen Salafisten zu demonstrieren – ganz so, als ob es keine Bundesregierung gäbe und keine…
… Ok. Lassen wir das Letztere. Gegen die würde eine Demonstration sowieso nicht erlaubt und schon der bloße Versuch, eine solchige anzumelden, würde vermutlich sehr unerfreuliche Konsequenzen nach sich ziehen. In keinem Staatswesen darf man gegen die eigentlichen Machthaber demonstrieren (und insbesondere nicht in Demokratien). Aber gegen die Bundesregierung darf man schon! Das wäre ein kleines bisschen sinnvoller gewesen, und  die wird in diesem Land nicht von Salafisten gestellt, deren  Machtübernahme auch nicht kurz bevorsteht.
Darüber hinaus sind die Salafisten nicht ISIS. Tatsächlich distanzieren sich die Obersalafisten Pierre Vogel und Sven Lau sogar von dieser Gruppierung, wobei die Glaubwürdigkeit natürlich sehr mit Vorsicht zu genießen ist. Mehr als das können sie aber nicht tun – auch nicht nach einer Demonstration, selbst der Gegendemonstration sind sie ferngeblieben. Politically Incorrect schreibt in Das Wunder von Köln über die ihnen verständlicherweise missliebige Gegendemonstration:
Hingegen war weit und breit kein Salafist zu sehen: Die feigen Messerstecher, die in Bonn damals mit einer Übermacht gegen unvorbereitete und wehrlose Polizeibeamte vorgingen, hatten sich in ihren Löchern verkrochen.
Wehrlose Polizeibeamte!  Das muss man nicht mehr kommentieren. Und weiter:
Natürlich wird die Mainstream-Presse sie in den nächsten Tagen dafür loben, dass sie durch ihre Abwesenheit Besonnenheit und Konfliktabstinenz gezeigt haben
Soweit ich weiß, hat die Mainstreampresse das nicht getan, aber stattdessen mache ich es jetzt: Natürlich ist es vernünftig, sich nicht an Gegendemonstrationen zu beteiligen. Solche Spektakel gehören ohnehin verboten, denn sie stellen keine Demonstrationsfreiheit, sondern die Einschränkung derselben dar. Eine Staatsmacht, die (ganz unabhängig vom Inhalt) Gegendemosntrationen nicht verbietet und mit allen Mitteln radikal unterbindet, ist eine bösartige Macht, die das Volk  gegeneinander hetzt und vorsätzlich Gewalt provoziert, in der das Anliegen der eigentlichen Demonstration oftmals untergeht oder diskreditiert wird.
Auch wie man auf die Idee kommen kann, Salafisten wären im Mainstream und bei den Politikern beliebt, ist mir ein Rätsel. Tatsächlich sind sie die einzigen Migrationshintergründler, die schlecht wegkommen, was natürlich auch daran liegen kann, dass sehr viele Salafisten gar keine Migrationshintergründler sondern Deutsche sind. Insbesondere bei Pierre Vogel bin ich mir allerdings noch nicht einmal sicher, ob der echt ist. Echt deutsch ist er schon,  er wirkt nur ganz und gar nicht wie ein Islamist, sondern wie ein Kölner Karnevalist, der in der Bütt einen Islamisten nachäfft – und zwar gekonnt einschließlich fulminanter spontaner Gefühlsausbrüche auf arabisch.  Für einen Karnevalisten halte ich ihn zwar nicht, aber was Verbindungen zum Bundesamt für Verfassungsschutz oder ähnlich zweifelhaften Gruppierungen angeht, würde ich nicht die Hand dafür ins Feuer legen, dass die nicht existieren. Im nachfolgenden Video, in dem er sich von ISIS distanziert, erwähnt er den Verfassungsschutz sehr gelassen als Kronzeuge seiner Unbescholtenheit und verbreitet (wenn man den ganzen islamischen Zinnober ausblendet) BRD-konforme Propaganda vom “Kindermörder Assad”, der “seine eigene Beölkerung bewiesenermaßen mit Giftgas bombardiert hat“:



Als Beweis taugt es nicht, aber für einen gewissen Argwohn reicht es allemal.
In der Tat haben die Salafisten überhaupt nichts getan, was den (echten oder für die Medien inszenierten?) Bestialitäten von ISIS auch nur annähernd gleicht; soweit ich weiß, “ziehen” sie noch nichtmal Schülern deren Markenjacken und Handys “ab”, wie es ihre weniger fundamentalistischen und sehr viel zahlreicheren  Glaubensbrüder zu tun pflegen, sondern sind bisher vor allem dadurch aufgefallen, dass sie – vergleichbar den Eckenstehern der Zeugen Jehovas – Passanten ihr “heiliges Buch” andrehen wie Sauerbier. Was in den Wachtürmen drin steht, weiß ich nicht, aber den Koran zu verteilen, zu allem Überfluss auch noch  mit der Aufforderung, ihn zu lesen, halte ich für eine sehr kontraproduktive Maßnahme, wenn man daran interessiert ist, Sympathie für den Islam hervorzurufen. Juden sind da wesentlich klüger, früher war es ihnen unter Todesstrafe verboten, den Inhalt des Talmud Goyim bekannt zu machen, aber schon alleine Umfang und Preis dieser Schrift reichen aus, dass kaum ein Nichtjude sie kennt.
Ich hege keinerlei Sympathie für Salafisten, obwohl sie mir tatsächlich weniger zuwider sind als Moslems vom Typ “Zentralrat”, “Bundestagsabgeordnete” oder “Migrationssoziolog_In”, es geht mir nur nicht in den Kopf, wie man ausgerechnet gegen die demonstrieren kann. Wahrscheinlich liegt es wirklich daran, dass das medienkonsumierende Publikum seit Monaten mit Snuffvideos und abscheulichen Bildern traktiert wird, und Reisen nach Syrien und in den Irak, um ISIS vor Ort direkt sein Missfallen auszudrücken, zeitraubend,  teuer und wahrscheinlich auch lebensbedrohlich sind. Mittlerweile klicke ich PI schon mit halbzugekniffenen Augen an, um gleich wieder weg zu können, wenn unscharf Bilder zu erahnen sind, die ich nicht in meinem Kopf haben will. Als ich für die Gestaltung des roten Tuchs im obigen Titelbild die Google-Bildersuche nach ISIS aufgerufen habe, hat es mich rückwärts wieder rausgeschlagen. Eine ganze Seite voll abgehackter Köpfe und ganz weit oben ein Mann mit dieser typischen vorwurfsvollen Orientalenvisage und -haltung, der die kopflose Leiche eines kleinen Mädchens in die Kamera hält. Das blaue Kleidchen des Kindes weist keinerlei Blutspuren auf, deshalb gehe ich davon aus, dass es ein billiges Fake ist,  aber das Bild ist dennoch grauenhaft, ich wünschte, ich hätte es nicht gesehen.
Was für eine verfluchte Teufelsbrut bringt solche Bilder in  Umlauf und suggeriert den Leuten, sie wären echt? Und selbst die Bilder, bei denen man nicht so sicher feststellen kann, ob sie echt oder gefälscht sind, müssen nicht so gezeigt werden. Das führt nicht zu vernünftigem politischen Denken und Handeln, das führt zu emotionaler Aufpeitschung und extremer Manipulierbarkeit, längerfristig vermutlich sogar zu seelischer Abstumpfung.
Man kann nur immer wieder sagen: Wir wissen nicht, was im Irak und in Syrien vor sich geht. Es ist unmöglich, das zu wissen, denn die Medien sind nicht dazu da, uns mit Informationen zu versorgen, sondern dazu, uns zu manipulieren und zu verderben. Und zwar ausnahmslos alle Mainstreammedien und leider mittlerweile auch viele sogenannte alternative wie zum Beispiel PI, die inzwischen auszutesten scheinen, ob sich das Bildzeitungsniveau noch unterbieten lässt. Das einzige, was man dagegen tun kann ist weitestgehende Abstinenz, vor allem von Bildmedien wie Fernsehen und Blogs mit drastischen Bildern.
HoGeSa 2014
HoGeSa-”Faschisten” Köln 2014
Doch zurück zu HoGeSa. Um dahinter zu kommen, wer sie warum aktiviert und auf die Straße gejagt hat, ist es am besten, sich anzusehen, was sie bewirkt haben. Um das eigentliche Ziel zu erkennen, ist es noch zu früh – da sind allenfalls Spekulationen möglich – allerdings ist der Menschentyp, der für diese Aktion überwiegend rekrutiert wurde, dem ähnlich, der auch als “Faschisten” auf dem Maidan in Kiew als nützliche Idioten benutzt wurde. Selbstverständlich waren auch viele Normalbürger dabei, doch es ist völlig gleichgültig, wer dabei war, es ist lediglich von Bedeutung, wer auf den Bildern erscheint.
Mir sind diese Jungs keineswegs unsympathisch, aber sie taugen schon sehr gut als Sündenböcke für was auch immer andere hinter den Kulissen tun – und als neues Feindbild für den “Kampf gegen rechts” taugen sie auch. Die Demonstration geht nicht von ihnen aus und ich fürchte, was daraus entsteht, ist nicht in ihrem Interesse.
Maidan-"Faschisten" Kiew 2013
Maidan-”Faschisten” Kiew 2013
Zunächst einmal haben sie als Auslöser besagter “öffentlicher Debatte” gedient, ob sie  “Nazis” sind oder nicht und von wem Gewalttätigkeiten ausgegangen sind – von der HoGeSa oder der Koalition aus Antifa, Moslems, Politikern und  Polizei (AMPoPo). Ich gehe zwar sehr stark davon aus, dass die AMPoPo der Störenfried war, aber es ist grundsätzlich nicht sinnvoll, bei einer “öffentlichen Debatte”  Position zu beziehen. Solcherlei Debatten sind immer von der Art, dass die beteiligten Streithähne eine gemeinsame Grundannahme teilen – so unterschiedlich sie auch vordergründig wirken mögen. Diese gemeinsame Grundannahme, die nie explizit erwähnt wird, sickert automatisch in den Kopf der Debattierer und unachtsamen Zuhörer ein und verfestigt sich dort. Je emotionaler jemand an der Debatte beteiligt ist, desto einfacher funktionert das vermutlich.
Viel sinnvoller ist es daher, sich auf die Suche nach dieser gemeinsamen Grundannahme zu machen. Haben die Teilnehmer der Demonstration und ihre Gegner etwas  gemeinsam? Und wenn ja, was?
Wie sieht die einfache Wirklichkeit außerhalb des absurden Theaters  “Öffentliche Debatte” aus?
Deutschland wird nicht vom Salafismus bedroht. Der Fortbestand unseres Volkes wird von der Masseneinwanderung uns rassefremder Menschen bedroht – gleichgültig welcher Religion sie wie fundamentalistisch anhängen, gleichgültig ob sie gewaltbereit oder friedlich, kriminell oder gesetzestreu, gut ausgebildete Fachkräfte oder sozialhilfeabhängige Hohlköpfe sind. Einzig ihre Zahl ist relevant. Und die ist leider schon sehr lange weit über dem für unser Überleben als Volk Verkraftbaren.
Und ganz genau diese einfache Wahrheit wird von beiden Seiten der hitzigen Debatte nicht nur komplett ausgeblendet sondern sogar als absolut inakzeptable Position diskreditiert. Es ist nicht notwendig, Quellen zu zitieren, in denen Mainstream- und linke Medien sowie Politgesindel diese Ansicht vetreten. Dass sie das tun, weiß jeder schon lange.
Aber auch die ganz große Mehrheit der  Demonstrationsteilnehmer und -sympathisanten vertritt sie.
Die Jungs im obigen Bild mögen ehrlich glauben, sie zeigten Zivilcourage für Deutschland, aber in Wirklichkeit zeigen sie allenfalls Zivilcourage gegen ein rotes Tuch, gegen ein Phantom im fernen Irak und gegen ein  Deutschland, das uns Deutschen gehört. Sie mögen guten Willens sein, aber stehen leider  gemeinsam mit FAZ-Lesern auf der Straße, die sich folgendermaßen über äußern:
Den Auftritt einer als rechtsradikal geltenden Musikgruppe habe ich verpaßt. Als positives Zeichen empfand ich jedoch eine Gruppe Deutscher, die mit der türkischen Staatsfahne im Schlepptau erschienenauf denen die große türkisch-laizistische Legende Kemal Pascha „Atatürk“ abgebildet war. Das bewies mir, es handele sich nicht um stumpfe Ausländerfeinde, sondern um Anti-Salafisten. Auf der anderen Seite kam es aber auch zu Parolenrufen, die ich nicht gutheißen wollte und mich deshalb räumlich separierte.
An dieser Stelle begannen sehr unchristliche Bilder, auf denen  der sich gerade räumlich Separierende und Wasserwerfer eine tragende Rolle spielten, vor meinem geistigen Auge aufzusteigen. Tatsächlich wurde besagte Fahne aber auch vom PI-Reporter  gesichtet und wie folgt kommentiert:
Dagegen: Nazifahnen? Es wurde nicht eine einzige gesehen!
Ähm, was sind “Nazifahnen”? Hakenkreuzflaggen? Okay, das glaube ich auch, dass keine mitgeführt wurden, hätte allerdings nicht gedacht, dass das einer Erwähnung bedarf. Doch vom glühenden Wunsch beeseelt, dem “breiten Bündnis aufrechter Demokraten” nahezubringen, dass man doch bittebitte auch dazugehören will, kann man schonmal vergessen, dass die eigentlich ein bisschen verboten sind. Das aber nur nebenbei. Weiter geht’s:
Dafür eine Türkenfahne mit dem Bekenntnis zu Atatürk, dem Vater der laizistischen Türkei. Damit war klargestellt: Hier wird nicht plump gegen Ausländer und auch nicht gegen „alle“ Muslime demonstriert, sondern gegen diejenigen, die nach Deutschland kommen und dann die Spielregeln nicht einhalten. 
tuerkei_fahne
Welche “Spielregeln” sind das denn, die von den Salafisten im Gegensatz zu anderen Zugewanderten nicht eingehalten werden?  Und wer hat diese “Spielregeln” festgelegt?
Wie das nebenstehende Beweisfoto zeigt, sehen die Träger dieser Fahne tatsächlich überhaupt nicht türkisch aus. Da sind wir also angelangt: Männer, die aussehen, wie sich das kleine Lieschen einen Neonazi vorstellt, laufen mit türkischen Fahnen durch die Gegend  und PIfanten und Edelrechte freuen sich in trauter Einvernehmlichkeit darüber. Es wird wohl auf ewig ein Mysterium bleiben, was für  Rufe das waren, die der  FAZ-Leser  “nicht gutheißen wollte”, da er es offenbar nicht einmal über sich bringen konnte, etwas derart Schockierendes zu zitieren. Deshalb sind wir diesbezüglich auf die etwas weniger feinsinngen Kollegen von PI angewiesen, die sich auch zu den Parolen geäußert haben:
Man erkennt das politische Programm einer Bewegung an ihren Parolen. „Wir wollen keine – Salafisten-Schweine!“ Solches und ähnliches, das sich gegen den gewalttätigen Islam in Deutschland und weltweit richtete, war zu hören. „Deutschland den Deutschen“-Rufe hallten indes nicht „hundertfach“, wie der SPIEGEL gehört haben will, sondern überhaupt nicht. Nicht, daß bei mehr als 6.000 Menschen nicht jemand einen solchen Spruch geäußert haben könnte, und wenn es ein SPIEGEl-Journaillist gewesen wäre, der sich dabei von einem Kollegen filmen lassen wollte. Aber hallen gehört – d.h. von vielen Menschen ausgesprochen – hat diesen Satz keiner der Augenzeugen. Denn Ausländerfeinde waren nicht da. Kein einziger. [Hervorhebungen von mir]
Damit dürfte auch geklärt sein, was man in seriösen Islamkritikerkreisen für “plump” hält  – nämlich die selbstverständliche Forderung “Deutschland den Deutschen” – und was nicht:
Mit einprägsamen Parolen zeigten die Hools dem Islamofaschismus eindrucksvoll auf, daß er sich an Deutschland die Zähne ausbeißen wird. Zimperlich formulierten sie dabei nicht: „Wir wollen keine – Salafistenschweine!“ war der am meisten gerufene Sprechchor.
Da wird der Islamofaschismus aber Augen gemacht haben!
Leider kann man aber auch Gutheißer der “einprägsamen Parole” nicht wirklich von jedem Naziverdacht freisprechen. Ein Blick auf  Netz gegen Nazis macht schnell klar, dass es nicht “Salafisten” sondern
Salafist_innen
heißen muss. Im vorliegenden Fall schlagen wir statt  “Salafistenschweine”
Salafistensauen und -eber
vor. So ist auch das gleich noch weniger “plump” und vielleicht klappt’s ja dann auch bald mal mit der Anerkennung durch den Mainstream. Ich wäre nämlich sehr dankbar dafür, wenn die “öffentliche Debatte” ein Ende finden würde, habe aber wenig Hoffnung. Vermutlich fängt es gerade erst an und wohin es führt, kann zumindest ich derzeit noch nicht absehen.  Tatsächlich geht diese Debatte  gar nicht so sehr um Salafismus, sondern mal wieder wie auch bei der Sarrazin-Show vor allem darum, was man “darf” und was nicht. Dass der Salafismus böse ist, darin sind sich alle einig. Politik und Mainstreammedien begreifen nur im Gegensatz zu den von ISIS-Gräueln dauerberieselten und fertig gemachten, gehirngewaschenen Demonstranten, dass Salafisten in unserem Land vollkommen machtlos sind. Letzlich geht es zunächst vor allem darum, gemeinsam zu bekräftigen, dass Deutsche, die meinen, unser Land gehöre uns, kein Recht zu demonstrieren haben und vielleicht noch nicht einmal wirklich das Recht, zu atmen. Die einen sagen:
“Bei HoGeSa sind ganz viele solche Leute dabei. deshalb sind diese Demonstrationen inakzeptabel”
Die anderen sagen:
“Ist gar nicht wahr! Bei HoGeSa ist  niemand dabei, der so etwas Grauenhaftes wie “Deutschland den Deutschen”  ruft oder auch nur denkt. Deshalb (implizit: und NUR deshalb) dürfen die sehr wohl demonstrieren.”
Eine ganz einfach Grundregel ist: Wenn etwas Widerhall in den Medien findet, dann ist es immer eine solche “öffentliche Debatte”, bei der unausgesprochen aber dafür umso wirkungsvoller eine gemeinsame Grundannahme in die Köpfe der Arglosen unter den Debattanten und Zuhörern gehämmert werden soll. Etwas wirklich Gutes wird niemals in Talkshows thematisiert, sondern möglichst komplett ignoriert und schnellstmöglich beseitigt. Dieses wirklich Gute gibt es aber auch. Von HoGeSa halte ich gar nichts, aber die Unsterblichen sind und bleiben unvergessen.


Hat man DAS jemals im Fernsehen gesehen oder auch nur erwähnt?
Nein?

Dienstag, 18. November 2014

Startet die echte arabische Revolution?

Schon immer wenn finanzstarke Hintergrundmächte im letzten Jahrhundert in den Krieg ziehen wollten, haben sie versucht ihre Gegner als Barbaren und Wilde darzustellen. Man denke nur an den 1.Weltkrieg als uns Deutschen nachgesagt wurde, wir würden kleinen Kindern die Hände abschneiden und ähnliches. Vereinzelt haben die deutschen alternativen Medien bisher angefangen hinter die Propaganda gegen den Islamischen Staat (ISIS) zu schauen. 

Im Internet gibt es nämlich unzählige Informationen darüber, dass die ISIS sich aus sog. Al-Kaida-Kämpfern zusammensetzt, die im Auftrag von Washington und Tel Aviv die arabische Welt, hauptsächlich Syrien, destabilisieren sollen. Und für wahr! Anfangs sahen auch alle Informationen danach aus. Ich denke hier z.B. an die Information, dass Abu Bakr al-Bagdadi, der Führer der ISIS, ein ausgebildeter Mossad-Agent mit jüdischen Eltern sei. Doch sollte man dabei auch bedenken, dass Gaddafi seiner Zeit in den arabischen Medien als Jude bezeichnet wurde, um Zweifel unter dem lybischen Volk an Gaddafi zu schüren. 

Die Propaganda ist heute so gut, dass man immer vorsichtig sein sollte, wenn man irgendwelche Informationen zugetragen bekommt, egal ob aus der Mainstreampresse oder den alternativen Medien. Stutzig wurde ich beim Thema ISIS, als ich bei Michael Winkler im Tageskommentar gelesen habe:


"Bisher wurden selbst die schlimmsten Feinde der USA in amerikanischen Dollar bezahlt. Das wäre natürlich nicht so toll gewesen, wenn die Damen und Herren Terroristen Erfolg gehabt und die USA vernichtet hätten. Der Islamische Staat, das Kalifat des Abu Bakr al-Bagdadi, will das jetzt ändern. Zugleich löst er sich damit aus dem Zinswucher-System der "Juden und Kreuzfahrer". Der Islamische Staat gibt Goldmünzen im Wert von ein und fünf Dinar, Silbermünzen von einem, fünf und zehn Dirham, sowie Kupfermünzen von ein und zwei Fils heraus. Dabei hat der Dinar aktuell einen Wert von 139,- US-Dollar, der Dirham entspricht einem US-Dollar und der Fils 6,5 US-Cent. Der Finanzminister des Kalifats geht davon aus, daß dabei Banken in Ländern wie Katar und Kuwait helfen werden. Mit dieser nicht nur dem Koran und Allah gefälligen Währung besitzt der Islamische Staat künftig das wertstabilste Geld der Welt."


Gerade die Frage des herrschenden Geldsystems ist so bedeutend, dass ich schlicht nicht glauben konnte, dass eine Organisation wie ISIS, die vom "Westen" geschaffen sein soll, sich aus dem Zinssystem verabschiedet, wenn sie finanziell vom "Westen" unterstützt wird. Doch Michael Winkler liegt wohl richtig. Auch die Times of Israel bestätigt, dass die von der ISIS kontrollierten Gebiete in Syrien und dem Irak nun eine eigene zinsfreie Währung haben. Die ISIS baut ihr neues Geldsystem auf, wie die Times of Israel berichtet, um sich vom "tyrannischen Währungssystem, dass den Muslimen aufgezwungen wurde, und dass zu ihrer Unterdrückung führte", zu beseitigen. [1]

Von der Weltwirtschaft unabhängige Finanzsysteme sind dem Establishment ein Dorn im Auge. Da wundert dann auch die schlechte Presse über ISIS nicht mehr allzusehr. Der Criticomblog hat bereits einen Artikel aus dem Englischen übersetzt, aus dem hervorgeht, dass alle sog. Enthauptungsvideos, die angeblich von der ISIS durchgeführt wurden, aus nur einer Quelle kommen: Der SITE Intelligence Group, die nichts anderes als eine Frontfirma für den israelischen Mossad ist. Mehr darüber erfahrt ihr in dem Artikel "Die Internetseite hinter den Enthauptungsvideos". Eine kurze Analyse eines "Enthauptungsvideos" findet ihr hier: "Scheiß auf die Angst".

Ich habe also noch weitere Informationen gesucht, um mir ein Bild von den Vorgängen im Irak und Syrien machen zu können. Schließlich bin ich auf einen Artikel [2] von Franklin Lamb gestoßen, der Professor an der Universität Damaskus ist. Interessante Informationen, die er direkt von Mitgliedern der ISIS erhalten hat, möchte ich hier nun auf Deutsch mitteilen. So können auch die Deutschen mal die andere Seite hören. 

Die ISIS bestätigt, dass es von ihrer Seite aus zu Gewalttaten gegen Shiiten und Verbrecher im Irak und in Syrien gekommen ist. Der Grund sei, dass sie sich im Namen von 1,5 Milliarden Muslimen aus den Händen der Shiiten (10%) befreien wollen, die die Sunniten (90%) unterdrücken und als Oberschicht in verschiedenen arabischen Ländern die Muslime an die "Juden und Kreuzfahrer" verkaufen. Da die Muslime von ihren Führern verraten worden seien, liege es jetzt bei ihnen die Befreiung durchzuführen. Gewalttaten in Syrien und dem Irak werden jetzt ausgesetzt und finden nicht mehr statt. Stattdessen kümmert man sich nun um die Versorgung der Bevölkerung. Man erlaubt den Tauschhandel und bringt den Menschen bei, wie sie sich selbst handwerklich betätigen können. Die Stromnetze werden wieder repariert, die Schulen werden neu eingerichtet, ein neues Geldsystem wird eingerichtet, es werden öffentliche Verkehrsmittel (Busse) aufgebaut, um die Umwelt zu reinigen werden Bäume gepflanzt und Parks angelegt, die Bauern werden bei der Ernte unterstützt und Hilfseinrichtungen für Obdachlose werden eingerichtet. Der Laizismus (Trennung von Staat und Kirche) wurde abgeschafft. Die ISIS bildet neue Imame und Prediger aus, die den Islam wieder richtig lehren sollen.

Desweiteren bestreitet die ISIS, dass sie Gewalt gegen Christen oder christliche Kirchen ausgeführt habe, als Mosul eingenommen wurde. Auch der Erzbischof Giorgio Lingua, der im Auftrag des Papstes im Irak war, hat gesagt, dass es zu keinen Anschlägen auf Kirchen oder zu Angriffen auf Christen gekommen sei. Der Vatikan verfolge seine eigenen Interessen und lüge deswegen über die Vorfälle in Mosul. Bei der Einnahme Mosuls hat man in der Zentralbank über eine Milliarde Dollar erbeutet, die man jetzt in weitere Unternehmungen investiert.

Angeblich haben sich bereits mehrere dutzend sunnitische Organisationen dem Kampf angeschlossen, unter anderen auch die Men of the Army of the Naqshbandia Order, ein militärischer Geheimorden, der von ehemaligen irakischen Offizieren geführt wird und Saddam Hussein treu geblieben ist, die immer noch eine erhebliche militärische Stärke besitzen und weitreichende Verbindungen in der arabischen Welt haben.

Das größte militärische Ziel, auf das man zur Zeit energisch hinarbeite, sie die Befreiung der Palästinenser und zwar mit Waffengewalt, weil das Zionistenregime keine andere Wahl übrig ließe. Alle Bewegungen, die für ein freies Palästine aufgetreten sind, wären nur Sprücheklopfer gewesen. Die ISIS würde dort kämpfen, wo sich niemand hintraut. Man habe bereits einige Verbindungen nach Palästina aufgebaut. Die Zionisten in Israel könnten behaupten was sie wollten, sobald Palästina befreit sei, solle die Geschichte entscheiden, wer auf der guten Seite gekämpft hat. Sobald die Zeit reif sei, würde Tel Aviv genauso schnell fallen wie Mosul. 

Es macht den Anschein, als braue sich im Nahen Osten gerade etwas von historischer Bedeutung zusammen. Denn wenn die ISIS wirklich unabhängig vom "Westen" agiert und es schafft ausreichende Kräfte hinter ihrer Revolutionsbewegung zu vereinen, dann dürfte sich im Nahen Osten die Lage bald extrem verändern. Die Ziele der Finanzstrategen aus den USA würden damit wohl ins Wasser fallen. Vielleicht hat der ständige Krieg, der den Arabern seit Jahrzehnten aufgedrückt wird, nicht nur Zerfall sondern auch zu einer neuen Geburt geführt. Eines ist sicher: Sollte hier eine echte arabische Revolution beginnen, dann werden wir in den nächsten Wochen und Monaten erhebliche Kriegspropaganda erleben, die sogar die Gefahr eines Weltkrieges in sich birgt. Insofern man nicht davon ausgeht, dass der Dritte Weltkrieg sowieso bereits am 11.September 2001 begonnen hat, wie es vielleicht die Geschichtsbücher machen werden, die nach der ganzen Tragödie geschrieben werden.

Die Zeit wird zeigen, wer auf welcher Seite steht...


[1] http://www.timesofisrael.com/islamic-state-to-mint-its-own-currency/

[2] http://www.informationclearinghouse.info/article38890.htm

Sonntag, 16. November 2014

Ging Jesus nach Indien? Eine Untersuchung der Quellen und Motive dieser Theorie

Anmerkung: Über Jesus gibt es heute Tausende von Theorien, dafür so gut wie nichts Handfestes, was wir wirklich über diesen Mann wissen. Zur Zeit wird wieder die Theorie in den alternativen Medien genährt, dass Jesus zwischen dem 12. und dem 30. Lebensjahr in Indien gelernt hätte und nach dem vorgetäuschten Kreuzestod, den er gerade noch überlebt habe, nach Indien zurückgegangen ist, wo er heute in Kaschmir begraben liegt. Ich habe die nötigen Quellen dieser Theorien untersucht und bin zu den gleichen Ergebnissen gekommen, die auch Armin Risi in diesem ausführlich recherchierten Artikel erläutert. Es gibt keinen Beweis für einen Aufenthalt Jesu in Indien und alle angeblichen Beweise haben sich als Falschinformationen herausgestellt, aber lest bitte selbst, damit ihr den Hintergrund zu dieser Theorie besser verstehen könnt. (Den Abschlussteil über das Turiner Grabtuch habe ich der Vollständigkeit halber mit angehängt, möchte aber klar sagen, dass meine persönliche Meinung über das Turiner Grabtuch davon differieren kann, weil es hier noch sehr viele ungeklärte Punkte gibt)


Über den Notowitsch-Bericht, Prof. Hassnains Angaben, das Yuz-Asaf-Grab in Srinagar und das Turiner Grabtuch
von Armin Risi


Die Suche nach den Quellen

Seit Anfang der achtziger Jahre sind im deutschsprachigen Raum verschiedene Publikationen erschienen, die die Theorie vertreten, Jesus habe für eine gewisse Zeit in Indien gelebt. Hierbei gibt es zwei verschiedene Varianten: (1) Jesus habe vor dem Beginn seines öffentlichen Wirkens, irgendwann zwischen seinem zwölften und dreißigsten Lebensjahr, Indien besucht. (2) Jesus sei nach der Kreuzigung nach Indien und/oder Kaschmir gereist, da er die Kreuzigung überlebt habe bzw. gar nicht gekreuzigt worden sei. In der Hauptstadt von Kaschmir, Srinagar, könne heute noch sein Grab besucht werden.


1981 berichtete Erich von Däniken in seinem Buch Reise nach Kiribati von seinem Besuch in Kaschmir, wo er einen Prof. Hassnain interviewte. Dieser sagte über Jesu Tod und Grab in Kaschmir: „Die Beweiskette ist lückenlos. Sie kann vor jedem Gericht bestehen.“ (S. 219)

Bereits im Jahr 1973 war dieser Mann, Prof. Fida Mohammed Hassnain, als Autorität in Deutschland zitiert worden, nämlich in der deutschen Illustrierten STERN (Nr. 16, „Jesus starb in Indien“).

Ein ganzes Buch widmete damals der Autor Siegfried Obermeier diesem Thema: Starb Jesus in Kaschmir? Das Geheimnis seines Lebens und Wirkens in Indien. Dieses Buch wurde von demselben Verlag veröffentlicht, in dem auch Erich von Dänikens erste Bestseller erschienen waren (Econ-Verlag).

Große Resonanz fand dieses Thema, als im Jahr 1983 Holger Kerstens Buch Jesus lebte in Indien auf den Markt kam.

Im Jahr 1984 berichtete eine andere deutsche Illustrierte, die BUNTE (Nr. 47, „Wo starb Jesus wirklich?“), über die Kaschmirreise einer dubiosen Forschungsgruppe unter der Führung von Kurt Berna alias Hans Naber alias John Reban. Dieser hatte bereits im Jahr 1957 eine Schrift mit dem Titel „Jesus ist nicht am Kreuz gestorben“ veröffentlicht. Der BUNTE-Artikel ist allerdings etwas kritisch, da der besuchte Prof. Hassnain sich damals gerade in der peinlichen Lage befand, daß das von ihm angekündigte Datum der Wiederkunft Jesu (21. März 1983) offensichtlich falsch gewesen war.

Im Englischen hatte es schon früher diesbezügliche Veröffentlichungen gegeben. 1976 erschien ein Buch von A. Faber-Kaiser mit dem Titel Jesus died in Kashmir. Auch dieser beruft sich auf F. M. Hassnain und auf eine Schrift, die vom Imam der Londoner Moschee, J. D. Shams, erstmals im Jahr 1939 veröffentlicht worden war: The Tomb of Jesus Christ in India. Diese Spur führt zur islamischen Ahmadiyya-Splittergruppe, die von Ghulam Ahmad (1839–1908) gegründet wurde. Dieser hatte sich selbst als Messias bezeichnet und behauptete auch als erster, Jesus sei in Srinagar begraben.

Es ist nun wichtig zu wissen, daß im Islam die Meinung vorherrscht, Jesus sei nicht am Kreuz gestorben, sondern ein anderer Mann sei an seiner Stelle gekreuzigt worden. Demgegenüber behauptet der jüdische Talmud, Jesus sei sehr wohl am Kreuz gestorben (in Folge einer gerechtfertigten Kreuzigung), aber nicht auferstanden. In dieser wichtigen Frage widersprechen sich also der Talmud und der Koran.

Neben den islamischen Quellen berufen sich die Vertreter der Jesus-in-Indien-Theorie auch auf alte tibetische Schriften, die der russische Journalist Nikolaj Notowitsch gesehen haben will.

Wie glaubhaft ist Notowitschs Zeugnis? Was hat es mit dem angeblichen Jesus-Grab in Srinagar auf sich? Wie fundiert sind die Arbeiten von Obermeier, Kersten u. a.?

Als Antwort auf die vielen Diskussionen veröffentlichte der deutsche Indologe und Tibetologe Dr. Günter Grönbold im Jahr 1985 eine wissenschaftliche Kritik der genannten Bücher und Autoren. Auf dieses 152-seitige Buch mit dem Titel Jesus in Indien – Das Ende einer Legende (Kösel-Verlag, München 1985) stützen sich die folgenden Ausführungen.



Die Wahrheit über Notowitschs Bericht


Die meisten Autoren berufen sich ausführlich auf den Reisebericht La vie inconnue de Jésus-Christ von Notowitsch, der im Jahr 1894 in Paris erschien. Im gleichen Jahr erlebte dieses Buch mehrere Auflagen und wurde sogleich in andere Sprachen übersetzt, u. a. auch ins Deutsche (Die Lücke im Leben Jesu, 1894).

Keiner der modernen Autoren scheint sich die Mühe gemacht zu haben, dieses Buch selbst aufzutreiben und zu lesen, ganz zu schweigen davon, die historischen Quellen zu untersuchen. Der Fachmann Günter Grönbold hat dies jedoch getan, und was dabei zu Tage kommt, ist zwar schon lange bekannt, aber leider längst vergessen oder verschwiegen.

In seinem Buch berichtet der Kosaken-Offizier Notowitsch, wie er als Korrespondent der Petersburger Zeitung „Novoje vremja“ im Jahre 1887 verschiedene buddhistische Klöster in Kaschmir und Ladakh besucht habe. Er beschreibt seinen beschwerlichen Weg nach Leh, der Hauptstadt von Ladakh, er schildert, wie beim Dorf Haiena einer seiner Diener von einem Panther angefallen und getötet wird; in verschiedenen Klöstern hört er, daß Jesus bei den dortigen Buddhisten bekannt und sehr angesehen sei, denn Jesus habe selbst diese Gegend besucht, wie aus alten Schriften hervorgehe, die ihm der Abt im Kloster von Hemis gezeigt und vorgelesen habe: „zwei dicke, in Pappe gebundene Bücher“.

Da Notowitschs Buch sogleich ein solch großes Aufsehen erregte, blieb es nicht aus, daß weniger leichtgläubige Fachleute diese Geschichte überprüfen wollten, zumal die (angebliche) Reise des Herrn Notowitsch erst sieben Jahre zurücklag.

Über Korrespondenz fragt der bekannte Indologe Max Müller in Ladakhs Klöstern nach und findet bereits Mitte 1894 heraus, daß dort ein Russe namens Notowitsch nicht bekannt sei.

Im Sommer 1895 reist der englische Professor J. Archibald Douglas nach Ladakh und versucht, Notowitschs Spuren zu folgen. Doch im Dorf Haiena dementieren alle Bewohner, daß dort in den vergangenen Jahren ein Mensch von einem Panther gerissen worden sei; das sei noch nie vorgekommen, da es dort gar keine Panther und auch sonst kaum Raubtiere gebe. In Leh kann Prof. Douglas nachweisen, daß Notowitsch dort tatsächlich durchgereist ist; doch im Kloster Hemis kennt ihn niemand. Der Abt, der dort schon seit fünfzehn Jahren dieses Amt innehat, erklärt gegenüber Prof. Douglas eidesstattlich mit Unterschrift und Siegel, daß Notowitsch nie bei ihnen gewesen ist, daß die Buddhisten erst von den Europäern und Missionaren von Jesus gehört haben, daß er nie jemandem aus einem Buch über das Leben Jesu vorgelesen habe, da es in ihrem Kloster ein solches Buch gar nicht gebe. Über andere Schilderungen aus dem Notowitsch-Buch stellte der Abt entrüstet fest: „Lüge, nichts als Lüge!“ (Der Bericht von Prof. Douglas erschien im April 1896 in der Fachzeitschrift Orientalische Bibliographie.)

Eine weitere und endgültige Entlarvung erfuhr Notowitschs Buch im Oktober 1896, als der französischeExecutive Engineer des indischen Staates, A. Favre, der von 1886 bis 1889 in Kaschmir stationiert gewesen war und Notowitsch im Oktober 1887 angetroffen hatte, in der „Gazette de Lausanne“ Details über dessen Aufenthalt in Kaschmir veröffentlichte; nur wenige Daten stimmen mit Notowitschs Reisebericht überein; alle anderen sind mit den echten Reisedaten rundweg unvereinbar und nur schon im Hinblick auf die Zeitangaben der angeblichen Entdeckungsreise unmöglich: „Lügen und Aufschneiderei … von Anfang bis Ende“, so lautet das abschließende Verdikt.

Dennoch wird Notowitschs Buch heute noch und immer wieder als verläßlicher Bericht angeführt, insbesondere von Kersten und Obermeier. Doch diese Autoren verschweigen geflissentlich, daß Notowitsch in seinem Buch deutlich zum Ausdruck bringt, daß Jesus am Kreuz gestorben und auferstanden sei.

Günter Grönbold führt auch weitere Argumente an, die zeigen, wie grundfalsch viele von Notowitschs Angaben sind, z. B. über die Sprache der angeblichen Manuskripte, die Form dieser „über 1500 Jahre alten“ Texte („zwei dicke, in Pappe gebundene Bücher“!), Angaben über Orte aus diesem angeblichen Bericht über Jesu angebliche Reise (Orte, die es vor zweitausend Jahre noch gar nicht gegeben hat!), usw.

Notowitsch war aber nicht einmal der erste, der mit einer solchen Geschichte an die Öffentlichkeit getreten ist. 1863 hatte der Schriftsteller Ernest Renan (1823–1892) mit seinem Buch Vie de Jésus einen großen Erfolg verzeichnet, und Notowitsch sagt, er habe Renan gekannt und ihm sogar noch kurz vor dessen Tod sein Manuskript gezeigt.

In diesem Zusammenhang müssen auch die Bücher von Louis Jacolliot (1837–1890) erwähnt werden, denn seine „indischen Studien“, die er ab Mitte der siebziger Jahre veröffentlichte, waren ebenfalls sehr einflußreich gewesen und werden immer wieder zitiert, bis zum heutigen Tag. Jacolliot war von 1865 bis 1868 als Richter in Indien tätig gewesen und ging dann nach Tahiti. Ab 1870 begann er dort, seine ersten indischen Wunderberichte niederzuschreiben. Schon 1888, also noch zu Jacolliots Lebzeiten, wurde nachgewiesen, daß er keine indischen Sprachen beherrschte, schon gar nicht das Sanskrit, und daß die meisten der Zitate, die er anführt, frei erfunden sind. Einige der Schriften, die er gesehen und im Originaltext studiert haben will, gibt es nicht einmal dem Titel nach! Dennoch veröffentlichte er Bücher wieLa Bible dans l’Inde. Vie de Jezeus Christna. Obwohl er in Wirklichkeit nur wenige Jahre in Indien gelebt hatte, sagt er, er habe all seine sensationellen Erkenntnisse auf langen Reisen in Indien gewonnen.

Eine Auferstehung feierten Jacolliots „Erkenntnisse“ in Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus, als Mathilde Ludendorff, die Frau von General Ludendorff, polemische antikirchliche Werke veröffentlichte:Erlösung von Jesus Christo und Von neuem Trug zur Rettung des Christentums. Dabei beruft sie sich ausgiebig auf Jacolliot und lobt dessen wissenschaftliche Arbeit, die von ihrem Vater, dem „Sanskritforscher“ Bernhard Spieß, geprüft und für richtig befunden worden seien. Wie mittlerweile hinlänglich nachgewiesen ist, hat auch Herr Spieß, genau wie Herr Jacolliot, nie etwas von Sanskrit verstanden.



Jesu Grab in Srinagar?


Der erste, der verkündete, das Grabhäuschen „Rauzabal“ in der Khanyar-Straße in Kaschmirs Hauptstadt Srinagar sei das Grab Jesu, war Mirza Ghulam Ahmad (1839–1908).

Es lohnt sich, einiges über ihn zu wissen. Er war ein religiöser Führer, der innere Stimmen hörte und ab 1880 eigene Schriften zu verfassen begann. Günter Grönbold schreibt: „1889 nimmt er aufgrund einer göttlichen Offenbarung Anhänger an. Als er 1891 erklärt, er sei der Messias und der Mahdi (der letzte, von den Moslems erwartete Prophet), und dann auch, er sei die Wiedererscheinung Mohammeds, erfährt er Ablehnung und Widerspruch von seiten des Islam. Später ernennt er sich noch zum zurückgekehrten Jesus und ab 1904 zur Inkarnation des hinduistischen Krishna.“ (S. 44)

Im Jahr 1899 veröffentlichte er ein Buch in der Urdu-Sprache, das später in der englischen Übersetzung den Titel Jesus in India trug. Darin verkündete er die ihm zuteil gewordene Offenbarung, Jesus habe die Kreuzigung dank eines Wunderöls überlebt (das er, Ghulam Ahmad, sogar zum Verkauf anbot!); Jesus sei in der Folge auf der Suche nach den verlorenen Stämmen Israels nach Kaschmir gekommen (wo er diese Stämme alle gefunden habe!); er sei 120 Jahre alt geworden und sei in der Khanyar-Straße von Srinagar begraben worden, wo man das Grab heute noch besuchen könne.

Dr. Grönbold analysiert kurz die gröbsten Fehlinformationen und Absurditäten in Ahmads Argumentation und kommt zum Schluß: „Es müßte somit klar geworden sein, daß sich Leute wie Faber-Kaiser, Obermeier, Kersten, STERN & Co nur zu Werbern der Ahmadiyya-Sekte machen, wenn sie die Jesus-in-Indien-Legende propagieren“ (S. 47). Obwohl diese Stimmen durchaus ihre eigene Motivation haben, dürfte das Propagieren der genannten „Sekte“ nicht deren Hauptmotiv sein. Doch da die einen den anderen abschreiben, geht dabei die eigentliche Quelle unter, oder sie wird, wie in Hinsicht auf den umstrittenen Gruppenführer Ghulam Ahmad, einfach verschwiegen, und man bezeichnet lieber Prof. Hassnain als Entdecker des Jesus-Grabes, weil „der wissenschaftsgläubige Westen ihre Märchen eher akzeptiert, wenn sie ein Professor erzählt hat, als wenn deutlich würde, daß sie aus der Offenbarungsküche eines selbsternannten Messias und Gründers einer islamischen Sekte kommen. Und deshalb verschweigt man die Wahrheit schamhaft und wohlweislich.“ (Grönbold, S.44)



Die Geschiche des Srinagar-Grabes


Die von Ghulam Ahmad behauptete und von Hassnain, Kersten, Obermeier usw. wiederholte Theorie besagt, der Prophet Yuz Asaf, der in Srinagar an der Khanyar-Straße begraben sei, sei in Wirklichkeit und Wahrheit niemand anders als Jesus! „Yuz-Asaf und Yusu sind identisch mit dem Namen Jesus, es sind die hiesigen Schreibweisen“, erklärte Prof. Hassnain seinem Gast Erich von Däniken gegenüber, der dies wörtlich in seinem Buch Reise nach Kiribati (S. 220) wiedergibt.

Auch Holger Kersten berichtet: „Immer wieder belegen Details …, daß Yuz Asaf und Jesus identisch sind.“ (S. 177)

Ist der Fall wirklich so klar, wie von diesen Autoren behauptet wird? Befindet sich in Srinagar das Grab Jesu = Yuz Asaf? Diese Annahmen werden mittlerweile von einer nicht unbeträchtlichen Anzahl Zeitgenossen als bewiesene und (natürlich vom Vatikan) verheimlichte Tatsache anerkannt.

Um diese Frage fundiert zu beantworten und die erstaunlichen Hintergründe kennenzulernen, muß etwas weiter ausgeholt werden:

Gut zweihundert Jahre nach Jesu Kreuzigung hatten sich die messianisch-christlichen Urgemeinden bereits an vielen Orten im Nahen und Mittleren Osten, in Nordafrika und in (Süd)Europa verbreitet. Auch zeichneten sich bereits verschiedene nachhaltige Spaltungen und Gegenbewegungen ab. Eine Bewegung, die in dieser Zeit neu entstand, war die des Persers Mani (215-273). Er stammte aus einem persischen Königsgeschlecht, lebte für längere Zeit im damals buddhistischen Indien, trat nach seiner Rückkehr in seine Heimat als Stifter einer neuen Religion auf, die als „Manichäismus“ bekannt (und bekämpft) wurde, und starb, als Häretiker verurteilt, am Kreuz.

Hans Joachim Störig schreibt in seinem Standardwerk Kleine Weltgeschichte der Philosophie: „Der Gnosis eng verwandt ist der Manichäismus, der … das Judentum schroff ablehnt und heidnische, nämlich persische und indische Ideen mit christlichen verbindet … Seine Lehre, soweit sie aus geringfügigen Bruchstücken seiner Schriften und aus späteren Berichten zu erkennen ist, geht aus von der persischen Religion entnommenen Vorstellung zweier von Ewigkeit her nebeneinander bestehender Reiche, eines Reichs des Lichts, beherrscht vom göttlichen Vater des Lichts, und eines Reichs der Finsternis, beherrscht vom Vater der Finsternis – von Mani mit dem jüdischen Jahwe identifiziert – und seinen Dämonen. Jesus erscheint bei ihm als der aus dem Reiche des Lichts herabsteigende Erlöser der Menschen./ Die Ethik des Manichäismus fordert strengste Askese und ähnelt der buddhistischen.“ (Fischer Taschenbuchausgabe Bd. 1, S. 224)

Buddha war fünfhundert Jahre vor Christus in Indien erschienen. Im Verlauf der nachfolgenden Jahrhunderte breitete sich die Religion des Buddha über ganz Indien aus, erreichte von dort aus auch die umliegenden Gebiete, und blieb für rund eintausend Jahre (bis zum Auftreten des indisch-vedischen Reformators Sri Sankara anfangs des 9. Jahrhunderts nach Christus) in Indien die vorherrschende Religion.

Mani lernte in Indien also den Buddhismus in seiner Blütezeit kennen und brachte viele der Lehren und Legenden zurück nach Persien. In diesem Umfeld des frühen Manichäismus erzählte man sich unter diesem buddhistischen Einfluß auch die Geschichte eines Heiligen, eines „Bodhisattva“: Ein Prinz wird von seinem Vater, dem König, gänzlich von der Außenwelt abgeschirmt, weil eine Prophezeiung ihm vorausgesagt hatte, sein Sohn werde nicht sein Nachfolger werden, sondern werde sich der Religion zuwenden und ein Asket werden. Trotz aller Vorkehrungen bekommt der Prinz als heranwachsender Jüngling einmal einen Kranken, einen Alten und einen Toten zu Gesicht. Aufgrund dieser erschütternden Erkenntnis bekehrt sich der Prinz und wird tatsächlich, wie prophezeit, ein Asket.

Heute erkennen wir in dieser Bodhisattva-Legende natürlich sogleich das grundlegende Muster der Lebensgeschichte des Gautama Buddha. Der Lehrer Mani wird in gewissen alten Texten selbst als Bodhisattva bezeichnet. Allerdings war die Sprache des Mani und des Manichäismus nicht Sanskrit, sondern Persisch, und in dieser Sprache heißt Bodhisattva Bôdisaf.

Diese manichäische Legende wurde später von anderen Strömungen übernommen, insbesondere vom Islam und vom Christentum. Im Arabischen hieß es dann natürlich, dies sei die Geschichte eines zum Islam bekehrten Prinzen namens Bûdhasaf, Yûdhasaf oder Yûzasaf. Im Christentum erscheint diese Geschichte bereits im siebten Jahrhundert als griechischer Roman, der dem Johannes Damascenus (ca. 675-749) zugeschrieben wurde. Die Geschichte stammt auch hier also erwiesenermaßen ebenfalls aus dem Nahen Osten (Damaskus) und erzählt die Geschichte des indischen Prinzen Josaphat, der vom königlichen Vater behütet wird, weil dieser eine Prophezeiung gehört hat, der dann aber nach dem Anblick eines kranken, eines alten und eines toten Menschen sich Gott zuwendet und zum Christentum findet. Dieser indische Josaphat wurde im Jahre 1583 von der römisch-katholischen Kirche heiliggesprochen, und der 27. November galt als der Tag des Hl. Josaphat. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat die katholische Kirche die Liste ihrer Heiligen bereinigt und alle legendären Personen daraus entfernt. Unter den gestrichenen Namen befindet sich auch der Hl. Josaphat, von dem man heute weiß, daß es ihn in dieser Form gar nie gegeben hat.

Während die manichäische Prinzengeschichte im Christentum als Josaphat-Geschichte weiterlebte, wurde sie auch in islamischen Kreisen weitererzählt. Die Legende „Bilauhar wa-Budasaf“ läßt den bekehrten Prinzen als Heiligen in Kaschmir sterben. Als der Derwisch Syed Abdur Rahman (genannt Bulbul Shah) im 14. Jahrhundert den Islam nach Kaschmir brachte, wurde ein bis dahin hinduistisches Grab zu dem eines islamischen Propheten erklärt, und der Volksglaube identifizierte diesen Propheten dann bald einmal mit dem legendären Prinzen Budasaf. Sechshundert Jahre später verkündet Ghulam Ahmad, dieser Prinz sei identisch mit Jesus.

Seit diese Behauptung im Westen viele Gläubige findet und geldbesitzende Touristen in die Hauptstadt lockt, verkünden die Grabwächter natürlich ebenfalls, hier sei „Isa Sahib“ begraben. Diese Aussagen haben offensichtlich nicht die geringste Beweiskraft und haben nichts, wie oft behauptet, mit einer alten Überlieferung zu tun, denn sie sind erst in den letzten Jahrzehnten laut geworden, mit Herrn Hassnain als lautestem Verkünder.

Interessant ist, daß Notowitsch sich zweimal in Srinagar aufgehalten hat, einmal sechs Tage lang, aber er schreibt in seinem Jesus-Buch nichts von einem Jesus-Grab in Srinagar. Er war eben zu früh dort gewesen (1887). Ghulam Ahmad verkündete seine „Eingebung“ erst zehn Jahre später. Vor Ghulam Ahmad hatte offensichtlich noch nie jemand von der Idee gehört, Budasaf/Yuzasaf sei Jesus. Die angeblich alte verheimlichte Überlieferung ist also gerade mal einhundert Jahre alt.

Hinzu kommt, daß es eine völlig willkürliche Wortverfälschung ist, das persisch-arabisch-kaschmirische Wort Yuzasaf als Yuz Azaf zu trennen, nur um mit „Yuz“ eine Silbe freizulegen, die entfernt wie Jesus (eigentlich: Jeshua) klingt. Das wäre vergleichbar mit der Schreibweise „Johan Ness“ für Johannes (vielleicht als Parallele zu Loch Ness)!

Stimmt es also, was Holger Kersten gleich zu Beginn seines Buches Jesus lebte in Indien (S. 19) verkündet? „Erst heute kann man mit Sicherheit behaupten, daß es, vom modernen Standpunkt der Leben-Jesu-Forschung ausgehend, tatsächlich unmöglich ist, den Aufenthalt Jesu in Indien zu widerlegen.“



Der Name Yuzasaf


Wie der philologische Nachweis zeigt, ist Yuzasaf die durch Jahrhunderte hindurch veränderte und arabisierte Schreibweise von Bodhisattva, was auch Holger Kersten zugibt:

„… erkennt man im Wort Judasaf das ursprüngliche Budasaf, das nichts anderes bedeutet als ‚Bodhi sattva‘ … Durch sprachliche Herleitung (J[B]udasaf) ist es nun deutlich geworden, daß der islamische Prophet Yuz Asaf in Wirklichkeit ein buddhistischer Bodhisattva war, der im Zuge einer rigorosen Islamisierung großzügig mitvereinnahmt wurde.“ (S. 149)

Aber eben: Dieser buddhistische Bodhisattva war Jesus! Dies beweise nicht nur der auffällig ähnliche Name, sondern auch die alte Überlieferung – und die deutliche Abbildung von Nagelwundmalnarben auf der Fußdarstellung beim Grab!

Die genannte Fußdarstellung (Holger Kersten veröffentlicht ein Foto) erinnert aber sogleich an die typische indische Tradition, der gemäß bei Gräbern von Heiligen oft auch Fußdarstellungen mitangebracht werden. Diese sind jedoch in vielen Fällen nicht echte Fußabdrücke, sondern willkürlich geschaffene, oft sehr abstrakte oder sogar schon kindliche Fußreliefs. Wer noch nie in Indien war, kann sich dies nicht so leicht vorstellen. Wer aber schon mal in Indien war, erkennt in den Yuz-Asaf-Fußsohlen ebenjene indisch vereinfachte Darstellung.

Wenn man sich jedoch vor Augen führt, daß im Islam jegliche bildliche Darstellung strikt abgelehnt wird, bleiben zwei Erklärungen übrig: Entweder stammt die Darstellung der Fußsohlen noch aus der vorislamischen Zeit und wäre also schon über siebenhundert Jahre alt, oder sie ist viel jüngeren Datums …! Bezeichnenderweise erwähnt Ghulam Ahmad dieses eigentlich willkommene Indiz nicht. Das Verdienst, diese Fußdarstellung „freigelegt“ zu haben, kommt laut Holger Kersten Prof. Hassnain zu. Hätten rigorose Moslems bei der Vereinnahmung des Hindu-Grabes die pagane Idolatrie einer Hindufüßedarstellung während siebenhundert Jahren einfach übersehen, toleriert oder unzerstört stehen lassen?

Selbst wenn man die Theorie einer künstlich angebrachten Touristenattraktion à la India einmal wegläßt, ist die Narbeninterpretation sehr fragwürdig, denn was als Narbe interpretiert wird, ist jeweils eine halbmondförmig stilisierte Vertiefung zwischen den Zehen und den Fußballen. Die Narben von Nagelwunden wären rund oder eckig und würden sich nie so weit vorne befinden.

Noch einmal sei gezeigt, wie der Name „Yuz Asaf“ zustande kam:

Sanskrit: Bodhisattva
Persisch: Bôdhisaf
Arabisch: Bûdhâsaf/Bûdâsaf, dann:

Yâdhâsaf und Yûzâsaf (Dr. Grönbold: „Der entscheidende Wechsel Bûdâsaf > Yûdâsaf erfolgte also im Arabischen, bzw. genauer in der arabischen Schrift, in der J und B sich nur durch einen Punkt unterscheiden und deshalb leicht verschrieben werden konnte.“

Griechisch: Ioasaph
Lateinisch: Josaphat

Demgegenüber weist Dr. Grönbold nach, daß der Name Jesus nirgendwo als „Yuz“ geschrieben wird: Yeshua (aramäisch), Yehoshuah (hebräisch), Isâ (arabisch), Yasû (in christlich-arabischen Texten), Yisho (in manichäisch-iranischen Dialekten), Ye-zu, Yi-shu oder Ye-shu (tibetisch), Yesu (Urdu), usw.



„Übersetzungen“ aus alten Texten


Wenn die genannten Autoren also in demselben Stil altindische Texte, insbesondere das Bhavishya Purana,anführen, muß man ebenfalls sehr vorsichtig sein. Erstens sind diese Zitate oft sehr willkürlich formuliert (von „übersetzt“ kann nicht mehr gesprochen werden), in Ahnlehnung an Louis Jacolliots Methoden, und zweitens sind auch die indischen Originale bei solchen Stellen nicht immer authentisch und zuverlässig. In einigen angeblich sehr alten Sanskrittexten wird z. B. gegen die Jainas polemisiert, eine Gruppe, die es höchstens seit etwas mehr als zweitausend Jahren gibt, und im Bhavisya Purana wird – direkt im Anschluß an die Stelle, die angeblich Jesus in Indien beschreiben soll – auch Mohammed erwähnt, und zwar als mahâmada, der „große Verrückte“, der mit König Bhoja (ca. 1000–1055 n. Chr.) Siva verehrt habe; diesem König von Bhoja, der in keiner Weise ein Zeitgenosse Mohammeds (571–632) gewesen sein kann, sagt derselbige, er werde „auf Befehl des Isha“ die Religion der Dämonen einführen. (Das gleiche Wort wird nur einige Verse zuvor von gewissen Autoren als „Jesus“ übersetzt.)

Dr. Grönbold führt unterschiedlichste Beispiele für falsche und fehlinformierte Argumente an. So erkennt Holger Kersten z. B. im Besuch der drei Könige aus dem Morgenland eine deutliche Parallele zur tibetischen Suche des neuen Dalai Lama. Jesus war ja ein Bodhisattva! „Aber abgesehen davon, daß sich hier sachlich völlig verschiedene Vorgänge abgespielt haben, fällt die ganze Hypothese aus einem sehr simplen Grund in sich zusammen: In Tibet wurde diese spezielle Inkarnationsnachfolge erst im 15. Jh. n. Chr. eingeführt.“ Deshalb haben wir heute auch erst den 14. Dalai Lama!

„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, ist man geneigt zu sagen. Wenn man etwas beweisen will, kann man Informationen immer so drehen und darstellen, daß sie dem eigenen vorgefaßten Willen entsprechen. Wenn man sie unverfroren genug mit Selbstverständlichkeit und Überzeugung vorträgt, stößt man bei Leichtgläubigen und Uninformierten schnell auf Glauben, der Mensch glaubt vor allem das, was er glauben will.



Jesus in Indien oder in Frankreich?


Die Behauptung, Jesus habe die Kreuzigung überlebt und sei danach nach Indien/Kaschmir gegangen, hat heute eine Kritik aus ganz unverhoffter Seite bekommen. Neue Autoren, die gewissen westlichen Logenverbänden nahestehen, haben in mehreren Bestsellern nun die Behauptung aufgestellt, Jesus habe die Kreuzigung tatsächlich überlebt, sei danach aber nicht etwa nach Indien, sondern nach Frankreich gegangen. Dort habe er mit Maria Magdalena leibliche Nachkommen gehabt, deren verstecktes Königsgeschlecht sich bis in die heutige Zeit fortgepflanzt habe und demnächst einen großen Schritt auf die Weltbühne plane. Einige Autoren wollen sogar wissen, das große Geheimnis in den Pyrenäen, das „Rätsel von Rennes-le-Château“, sei nichts anderes als das Grab Jesu – in Südwestfrankreich!

Was von diesen Darstellungen zu halten ist, worin der historische Hintergrund besteht, wer hinter diesen Veröffentlichungen steht und worauf dies hinauslaufen könnte, habe ich bereits ausführlich im BuchMachtwechsel auf der Erde zusammengefaßt und analysiert.

Hier soll nur noch einmal in Erinnerung gerufen werden, wie fragwürdig es grundsätzlich ist, daß jemand eine Kreuzigung überlebt, vor allem wenn er vorher auch noch blutig gegeißelt wurde. Der moderne Mensch kann sich anscheinend kaum mehr vorstellen, was das bedeutet. Und die Geißelung war nur eine von vielen Torturen. Die schlimmste war unbestreitbar diejenige, in der Nägel durch die Füße und Handgelenke geschlagen wurden. Diese Verletzungen und der damit verbundene Blutverlust sind tödlich, auch wenn die Nägel steril, nicht rostig und desinfiziert gewesen wären. Hinzu kommt noch der Lanzenstich in die Brust, ebenfalls nicht mit einer desinfizierten Klinge. Selbst wenn Jesus zum Zeitpunkt der Abnahme vom Kreuz „nur“ in einem Koma gewesen wäre, wäre er verblutet, da ja die Nägel aus den Wunden gezogen wurden, oder wäre an Blutvergiftung und Wundfieber gestorben. Hier einfach zu sagen, Wunderöle (wie Ghulam Ahmad) oder vergessene Wunderheilkünste der Essener seien zur Anwendung gekommen, oder der Essig im Schwamm sei „in Wirklichkeit“ (laut Kersten) ein essenischer Heil- und Betäubungstrank gewesen, vermag – gelinde gesagt – nicht zu überzeugen.

An dieser Stelle wird auch das Turiner Grabtuch in die Diskussion gebracht. Verschiedene Indizien (Körperhaltung, Blutspuren usw.) würden darauf hinweisen, daß der Mann, der in dieses Tuch gelegt war, noch gelebt habe. Neben allen fachwissenschaftlichen Gesichtspunkten sei nur die eine Frage angeführt: Wie kann ein blutverschmiertes Gesicht eine dreidimensionale Negativabbildung hervorrufen? (Betupfen Sie ihr Gesicht mit Farbe, mit oder ohne Schweiß und Aloewunderöl, und legen Sie dann ein Tuch auf Ihr Gesicht. Auch ohne Experiment ist klar, was dabei herauskommt: ein unförmiger schattenhafter Farbklecks, in keiner Weise vergleichbar mit dem Portrait auf dem Turiner Grabtuch.)

Und selbst wenn dieses Ganzkörperbild durch Blutabdruck irgendwie zustande gekommen wäre – wie ist es möglich, daß ein blutbeflecktes Tuch 2000 Jahre lang ohne Schimmel- und Fäulnisansätze überdauert?

Solange nicht geklärt ist, wie das Bild wirklich auf das Leinen kam, ist es auch müßig, ja sogar schon irreführend, anhand dieses Tuches kriminologische Theorien über den körperlichen Zustand des abgebildeten Mannes an den Haaren herbeizuziehen.



Das Turiner Grabtuch (Interview)


Im Licht der nachfolgenden Ausführungen kann man selbst versuchen, einige brisante Rückschlüsse auf die Hintergründe der Jesus-in-Frankreich oder -Indien-Theorien zu ziehen. Wer das Buch Machtwechsel auf der Erde gelesen hat, erkennt die Querverbindungen bestimmt sehr leicht.

(Aus der Zeitschrift Die Furche, Juli 1995:)

Zweifelsfrei aus der Zeit Christi

1988 meldeten die Medien, mit einem „sicheren“ Meßverfahren, die C-14-Methode, sei nachgewiesen worden, daß das Turiner Grabtuch aus dem Mittelalter stamme. Neuere Untersuchungen widerlegen aber diese Behauptung. Die revidierten Ergebnisse der C-14-Methode verlegen die Herkunft des Tuches in die Zeit Christi. Dank der neusten Ergebnisse der Grabtuchforschung eröffnen sich auch verblüffende Perspektiven für die Physik. Dies betont der Diplomingenieur Joachim Andrew Sacco aus Beverly Hills, der gegenwärtig [1995] einen Dokumentarfilm über den neusten Stand der Grabtuchforschung dreht. (Das Gespräch führte Christof Gaspari.)

Warum war die Datierung deutlich zu korrigieren?

Joachim Andrew Sacco: Die Änderung ist darauf zurückzuführen, daß das Grabtuch 1532 in einen Brand mit Temperaturen von rund 850 Grad geraten ist. Der Silberbehälter des Tuchs begann zu schmelzen. Man untersuchte die Wirkung eines solchen Feuers auf ein Tuch aus dem Jahr 200. Dabei lieferte die C-14-Methode ein Ergebnis, das um 1400 Jahre verschoben war. Die Laboratorien, die 1988 die C-14-Datierung vorgenommen hatten, kamen nun selbst zu dem Schluß, das Grabtuch müsse zumindest 1900 Jahre alt sein. Das steht seit 1993 fest.

Wurden diese Ergebnisse veröffentlicht?

Ja, in wissenschaftlichen Publikationen. Die Medien aber haben sich dafür nicht interessiert.

Gibt es weitere neue Erkenntnisse über das Turiner Grabtuch?

Ja, über die Art, wie das Bild entstanden ist, und über das Schicksal des Körpers im Tuch. Man kann heute klar feststellen, daß sich hier ein einmaliger Vorgang ereignet hat. Computersimulationen haben hierbei eine bedeutende Rolle gespielt.

Was wurde untersucht?

Im wesentlichen sind zwei Dinge zu nennen: das Bild, das auf dem Tuch eingebrannt ist, und die Blutspuren. Die Blutuntersuchungen kamen zu dem Schluß, daß es sich um menschliches Blut handelt, höchstwahrscheinlich Blutgruppe AB. Man fand eine XY-Chromosomen-Konfiguration, was auf eine männliche Person schließen läßt. Aber noch entscheidender ist, was das Bild aussagt.

Was zeigte sich da?

Zunächst: Ein Mensch kann so ein Bild nicht erzeugen. Unmöglich.

Können Sie das erklären?

Man hat gemeint, es handle sich um Malerei. Aber: Man findet keine Farbe, kein Pigment. Nächste Vermutung: Irgendeine Säure sei im Spiel. In diesem Fall hätte man sehr präzise arbeiten müssen, ohne aber das Bild sehen zu können. Manches sieht man auf dem Tuch nur mit ultraviolettem Licht. Außerdem ist das Bild dreidimensional kodiert. Nicht einmal mit Methoden der Photographie läßt sich das reproduzieren. Man hat sogar verschiedene Künstler ersucht, Bilder zu malen, die dieselbe Information wie das Grabtuch enthalten. Unmöglich. Außerdem gibt es Staub und Schmutz an den Fersen, die man nur mit dem Mikroskop sieht, und deren Untersuchung ergab, daß sie aus Jerusalem stammen [d. h. sie enthalten Pollenarten, die z. T. nur in dieser Gegend vorkommen].

Also kein Bild aus dem Mittelalter?

Man hätte damals schon wissen müssen, wie man ein Photonegativ erzeugt. Außerdem findet man im Mittelalter auf allen Darstellungen der Kreuzigung, daß die Nägel durch die Hände gehen. Auf dem Grabtuch aber gehen sie durch die Handgelenke. Des weiteren finden wir auf dem Tuch die Wunde auf der rechten Seite. Und da kommt eine Menge Blut heraus. Das ist wichtig. Denn auf der linken Seite des Herzens ist bei einem Toten kein Blut. Es konzentriert sich auf der rechten Seite. Aber die Blutspuren stimmen genau mit der Anatomie des Menschen überein. Das hätte man aber nicht einmal vor einhundert Jahren durchschaut! Heute verfügt man über eine Erklärung, die alle offenen Fragen zu beantworten gestattet.

Wie war das möglich?

Die Wissenschafter konnten im Test durch Computersimulation nachweisen, daß der Körper im Grabtuch einen Vorgang durchgemacht hat, der ihn in einen neuen Raum versetzt hat. Die Struktur seiner Atome hat sich neugeordnet. Dieser Körper trat in eine „Super-Ordnung“ über. Dabei wurde viel Energie abgestrahlt, die das Bild auf dem Tuch erzeugt hat. Wir werden das alles detailliert im Film The Shroud genau darstellen.

Was Sie sagen, klingt ziemlich phantastisch. Können Sie das näher ausführen?

Diese Schlußfolgerungen basieren auf Schlüsselbeobachtungen. Ich erwähne einige von ihnen: Es haben sich nur die Vorder- und die Rückseite des Körpers abgebildet. Die Seitenansicht fehlt. Sollte aber eine Kraft vom Körper ausgegangen sein, müßte sie überhallhin strahlen. So war klar: Die Schwerkraft mußte eine Rolle gespielt haben. Ein anderer Schlüssel war die Lage der Blutspuren im Vergleich zu den Wunden auf dem Bild. Je näher sie zum Zentrum des Bildes sind, um so näher sind sie auch zu den Wunden, und umgekehrt. Und noch etwas: Das Bild ist nur ganz schwach eingeprägt, nur auf den ganz obersten Fasern gibt es Veränderungen. Sie reichen nie tiefer als einige Mikron. Dank neuester Einsichten der Quantenmechanik konnte man eine Modellvorstellung über das Geschehen entwickeln, die mit allen erwähnten Beobachtungen in Einklang gebracht werden kann.

Und wie läßt sich diese kennzeichnen?

Gemäß dieser Theorie hätte sich im Körper eine extrem unwahrscheinliche, aber aufgrund der physikalischen Gesetze denkbare Konfiguration der subatomaren Teilchen vollzogen, wodurch sich all diese Beobachtungen erklären lassen.

Eine Neuordnung der subatomaren Teilchen im Körper?

Ja. Sobald dieser Vorgang einsetzt (wir wissen aber nicht, warum dies geschieht), wäre er nicht aufzuhalten. Er würde zum Übergang in eine „Super-Ordnung“ führen. Bei diesem Vorgang wird eine Energie von mehreren Hundert Joule pro Quadratzentimeter abgestrahlt.

Ist diese Neuordnung nicht ein sehr gewagtes Denkmodell?

Alle bisherigen Paradoxa können dadurch jetzt erklärt werden: Die Neuordnung der Partikel führte dazu, daß das Tuch richtiggehend durch den Energie abstrahlenden Körper gefallen ist.

Durch den Körper?

Ja. Das stimmt mit den Gesetzen der Physik überein und hat zur Folge, daß jene Partien des Tuches, die mit dem Körper in Berührung waren, mehr Strahlung abbekamen als andere. Außerdem erklärt es auch, warum das Bild der Vorderseite deutlicher ist als das der Rückseite. Auch der Umstand, daß wir nichts von den Seitenpartien des Körpers sehen, wird ebenso verständlich wie die perfekte dreidimensionale Abbildung.

Und dabei entstand eine „Super-Ordnung“?

Ja. Im bisher meßbaren Universum wissen wir, daß alles zum Chaos tendiert. So besagt es das zweite Gesetz der Thermodynamik. Im Zustand der „Super-Ordnung“ gibt es diese Neigung zur Unordnung nicht. Das Grabtuch trägt somit Merkmale, die auf einen Zustand jenseits von Zeit und Raum schließen lassen.

Wie stehen Sie persönlich zu diesen Ergebnissen?

Den Wissenschaftern, mit denen ich zu tun habe (rund vierzig Forscher, die sich seit 1978 mit diesem Themenkreis befassen – Ärzte, Hämatologen, Physiker, Ingenieure aus verschiedenen Sparten, Archäologen, Historiker usw.) und die sich mit dem Fragenkomplex beschäftigen, ist es wie mir ergangen: Sie gelangten zu der Überzeugung, daß die Auferstehung tatsächlich stattgefunden hat. Wir haben einfach die Evidenz dafür vor uns. Da sprechen die Tatsachen.

Sind die Forscher, die am Grabtuch arbeiten, gläubig?

Einer von ihnen hat mir erzählt, daß es ihm wie vielen seiner Kollegen gegangen ist: Zu Beginn ihrer Tätigkeit meinten sie, rasch nachweisen zu können, daß es sich um einen Schwindel handle. Kaum aber hatten sie sich näher mit der Thematik befaßt, mußten sie ihre Meinung ändern. Viele dieser Forscher haben im Zuge ihrer Arbeit tiefe Bekehrungen erlebt.



Zusatzinformation


Der Schweizer Kriminologe Prof. Max Frei untersuchte im Jahr 1973 Staub aus den Fasern des Turiner Grabtuches. Er entdeckte darin 49 verschiedene Pollenarten, d. h. Blütenstaub, darunter 13 Pollenarten von Pflanzen, die ausschließlich in Palästina vorkommen. Einige Pollen konnte er nicht identifizieren. Er fand dann im Schlamm des Toten Meeres diese Pollen, und zwar gehören sie Pflanzenarten, die heute verschwunden sind, aber vor zweitausend Jahren in Palästina existierten.

Ein weiterer Hinweis auf das Alter und die Echtheit des Grabtuches ergab eine neue Entdeckung: Da das Bild eine dreidimensionale Struktur aufweist, ließ sich mit Computertechnik eine Reliefvergrößerung des Antlitzes anfertigen, und dabei entdeckte man auf den Augen zwei erhöhte Kreise, die inzwischen als Geldstücke aus der Zeit von Pontius Pilatus identifiziert werden konnten! Auf einer der beiden Münzen ließen sich sogar die Reste der Inschrift erkennen, nämlich die Buchstaben UCAI. Tatsächlich trug die Pilatus-Münze die griechische Aufschrift TIBERIOU KAISAROS. Nur einmal, im Jahre 29, hat der Münzenhersteller einen Prägefehler gemacht und schrieb TIBERIOU CAISAROS, in Anlehnung an das lateinische „Caesar“. Heute sind nur noch drei Exemplare dieser Fehlprägung vorhanden, doch gerade diese damals neu geprägte Münze wurde auf die Augenlieder des Eingehüllten gelegt, wie dies damals der Brauch war (aus: „Das Turiner Grabtuch – Neue Beweise für die Echtheit, Magazin 2000, Nr. 128/129, Juni/Juli 1998).

Dieses neu entdeckte Detail widerlegt einmal mehr die Behauptung, das Bild sei durch Schweiß und Ausdünstungen des noch lebenden Körpers in chemischer Wirkung mit Heilölen auf das Leinen gekommen; unbelebte Gegenstände wie Münzen wären dadurch nicht abgebildet worden, zumindest nicht mit Details der Prägung!

Die Entdeckung der Dreidimensionalität des Bildes geht auf die Arbeit der amerikanischen Physiker J. Jackson und E. Jumper zurück, die zur wissenschaftlichen Forschungsgruppe The Shroud of Turin Research Project (STURP) gehörten und 1973 mit ihren bahnbrechenden Untersuchungsergebnissen an die Öffentlichkeit traten. Sie wiesen nach, daß das Bild auf dem Grabtuch nicht bloß aus biochemischen Abdrücken besteht, sondern daß es durch Strahlung, d. h. durch einen Lichtblitz entstanden ist, der dreidimensional aus dem Körper des Gekreuzigten hervorgekommen sein muß. Berechnungen ergaben, daß dies ein Strahlenblitz von nur etwa 2/1000-Sekunden gewesen war. Ein Diapositiv vom Grabtuch wurde in einen Bildanalystor VP8 gesteckt, und auf dem Bildschirm erschien ein dreidimensionales Reliefbild des Gesichts.

Einen noch weiterführenden Erklärungsansatz liefert der im Interview zitierte Joachim Andrew Sacco. Ein Lichtblitz allein hätte auch die Seiten des Körpers abbilden müssen, und der Körper hätte zwar geblitzt, aber wäre immer noch im Tuch gelegen. Saccos Erklärung wäre in der Lage, auch diese letzten Rätsel zu lösen. Damit führt die Forschung der Physik jedoch direkt in den Bereich der Metaphysik.

Ist es also verwunderlich, daß das Grabtuch für viele Menschen als Beweis für die physische Auferstehung Jesu bezeichnet wird? Entstand das mysteriöse dreidimensionale Photobild im Stoff dadurch, daß Jesu Körper bei seiner Auferstehung am frühen Ostermorgen „verklärt“ und „verherrlicht“ wurde, wodurch das Grabtuch durch seinen Körper hindurchfiel oder, genauer gesagt, sein Körper durch das Tuch hindurchging? Wer waren dann die zwei leuchtend weißen Gestalten, die am Ostermorgen im oder beim Grab gesehen wurden, und was war ihre Funktion gewesen?

Man erinnere sich, daß am 12. April 1997 ein (weiterer?) Brandanschlag auf dieses Tuch verübt wurde, der ohne Wunder auch zum satanischen Ziel geführt hätte: das Grabtuch ein für allemal zu vernichten. An vier Stellen brach das Feuer in der Turiner Kirche aus, und erst nach einer halben Stunde, als die Kirche schon lichterloh brannte, kam die Feuerwehr. Es ist allein der inneren Stimme eines einfachen Feuerwehrmannes zu verdanken, daß dieser mitten durch die Flammen ging und den Behälter mit dem Tuch bergen und herausholen konnte. In der Folge erschien in Italien sogar ein Buch des Turiner Sachbuchautors Renzo Baschera mit dem Titel Le srofezie della santa Sindone – L’ultimo incendio annuncia l’Anticristo? („Die Prophezeiungen des heiligen Grabtuchs – Ist der letzte Brand eine Ankündigung des Antichrist?“)

In diesem Buch untersucht der Autor die überlieferten Berichte, die besagen, im 16. oder 17. Jahrhundert hätten mehrere Pilger bei Gebeten vor dem Grabtuch innere Stimmen gehört. Heute noch rätselhaft sind die prophetischen Verse eines französischen Pilgers namens Gerard oder Gerald, die dieser um 1575 vor dem Grabtuch niedergeschrieben haben soll. In diesen Nostradamus-ähnlichen Versen wird das zukünftige Schicksal der Menschheit mit Stichwörtern skizziert. In ihnen findet sich auch ein Hinweis auf einen großen Brand in einer Zeit, in der die Päpste zwei Namen haben werden, was damals noch unvorstellbar war; in dieser Zeit werde es zur entscheidenden Auseinandersetzung zwischen den satanischen und göttlichen Kräften kommen, auf der ganzen Welt, vor allem aber auch in Rom.